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Immer weniger wird etwas in den Fluss - in Bewegung -
gebracht, das den Menschen als Menschen erfüllt. Vor allem
technische und ökonomische Prinzipien aber auch
Geltungsbedürfniss und finanzielle Interessen
überwiegen.
Mit blutrotem, zum Zerplatzen anmutendem
Kopf schreit meine Skulptur um auf sich, auf den Menschen, aufmerksam
zu machen.
Sie soll den Menschen dazu anregen, gegen
die leistungsorientiere Bewegung zu protestieren und sich für eine
ganzheitliche Sicht der Bewegung einzusetzten, bei der Mensch, Natur
und Technik in Harmonie gesehen werden.
Und sie soll Warnung an alle die sein, die
etwas in den Fluss - in Bewegung - bringen.
Bürgermeister zensiert
"Protest-Mensch"
Infos und Hintergründe zur Aktion
des Kelheimer Bürgermeisters (FW) Fritz Mathes, der meine Skulptur
eigenmächtig von der Ausstellung entfernen lies:
30.09.2002
Meine Skulptur "Protest-Mensch" wird vor
dem Rathaus aufgebaut (vgl. Fotos).
04.10.2002
Ohne mich, das Organisationsteam und den
Stadtrat zu informieren lässt Bürgermeister Mathes (FW) die
Skulptur entfernen.
Auslöser war ein Bericht im
Wochenblatt vom 02.10.2002, in dem ich zitiert werde: "...mit der
Skulptur will Schwendner seinen Protest gegen rein finanzielle und
wirtschaftliche Interessen aufzeigen, wie etwa die Straße vor dem
Rathaus, die wieder für den Verkehr freigemacht wurde...".
Bürgermeister Mathes rechtfertige die
Entfernung der Skulptur damit, dass "...Schwendner mit seiner Skulptur
gegen einen Stadtratsbeschluss protestiert, das ist nicht
hinnehmbar...". Von meiner Seite noch von Seiten der Presse war jedoch
nie die Rede davon, dass die Skulptur eigens als Protest für die
Öffnung der Fußgängerzone geschaffen wurde.
05.10.2002
Bürger Kelheims protestieren
öffentlich gegen die "Zensur" meiner Skulptur (vgl.
Zeitungsberichte weiter unten)
07.10.2002
Die Stadt Kelheim hat zu einem
Schlichtungsgespräch geladen. Teilnehmer waren: Frau Margaretha
Schneider (Stadtmarketingvorsitzende), Herr Horst Fochler (Organisation
Skulpturenpark), Hr. Fries (2. Bürgermeister, CSU) und ich.
Es wurde das Missverständnis
ausgeräumt, dass die Skulptur zum Protest gegen die Öffnung
des Ludwigsplatzes geschaffen wurde. Ich erklärte, dass die
Skulptur generell gegen Entscheidungen protestiert, die rein aus
finanziellen oder wirtschaftlichen Interessen gefällt werden und
nicht aus Gründen, die den Menschen als Menschen erfüllen.
Ein Beispiel für solche Entscheidungen, die tagtäglich zu
hunderten nicht in diesem Sinne gefällt werden, ist sicherlich
auch die Öffnung der Fußgängerzone für den
Verkehr. Jedoch wurde die Skulptur nicht dazu geschaffen, um nur gegen
diesen Stadtratsbeschluss zu protestieren.
Nachdem dieses Falschinterpretation eines
Zeitungsberichtes ausgeräumt war, wurde von 2. Bürgermeister
Herrn Fries erklärt, die Figur kann wieder aufgestellt werden. Es
war ein zweiter Alternativstandort in der Diskussion, jedoch entschied
sich Herr Fries - nach telef. Rücksprache mit 1.
Bürgermeister Hr. Mathes - die Skulptur wieder an der selben
Stelle aufzustellen als zuvor.
08.10.2002
Die Skulptur wurde wieder aufgestellt und
steht seit 08.10.2002, ca. 10 Uhr wieder auf dem bisherigen Standort
vor dem Rathaus!
21.12.2002
Die Skulptur wird wieder abgebaut, da sie
angeblich den anstehenden Weihnachtsmarkt behindert!
(Anmerkung: Das Jahr zuvor war an der
gleichen Stelle eine andere Skulptur, die offenbar den Weihnachtsmarkt
nicht störte.)
Presseartikel:
Blitz-Verbannung
für "Protest-Mensch"
Skulptur darf nur noch im Bauhof
protestieren: Mathes ordnet Abtransport an
Ein "Protest-Mensch" ist es, doch sein Protest verhallt im
Kelheimer Bauhof. Dorthin ist nämlich die gleichnamige Holzfigur
des Abensberger Künstlers Klaus Schwendner in einer
"Hau-Ruck-Aktion" transportiert worden: Sie erregte den Ärger von
Bürgermeister Fritz Mathes.
Der Künstler war so ziemlich der
Letzte, der vom Abtransport seiner 3,8 Meter hohne Pappelstamm-Statue
erfahren hat. Die Vorsitzende des Stadtmarketing-Vereins, Margaretha
Schneider, bekam gestern Morgen einen Anruf von Bürgermeister
Fritz Mathes: Die Figur sei auf seine Anordnung "entfernt" und in
den Bauhof gebracht worden...Mathes selbst is seit gestern in Urlaub
und war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Seinem
amtierenden Stellvertreter Raimund Fries (CSU) begründete er den
Abtransport mit Verweis auf einen Pressebericht. Demnach protestiert
die Figur ... gegen die Öffnung des Ludwigsplatzes..."Schwendner
kritisiere mit seinem Werk einen Stadtratsbeschluss, das sei nicht
hinnehmbar."
"Ein Unding", kommentiert Klaus
Schwendner kopfschüttelnd. Die Blitz-Verbannung ist ihm
völlig unverständlich: "Beim Pressetermin im Sudhaus mit
Bürgermeister und Presse hatte ich ein Modell dabei und die Figur
erklärt" erinnert Schwendner: Ein genereller Protest gegen
Entscheidungen in der Politik, die oft zu Gunsten von Geld und Kommerz,
zu Ungunsten des Menschen getroffen werden....
Mittelbayerische Zeitung, 05.10.2002
Kelheimer
über Mathes empört
Protest-Aktionen nach Entfernung
eines Kunstwerkes/ "Ein Skandal"
Protest gab's am Wochenende von allen Seiten gegen die
Verbannung der Skulptur "Protest-Mensch" vom Stadtplatz durch
Bürgermeister Fritz Mathes. Stadträte verschiedener
Fraktionen verurteilten die Aktion. Die Grünen forderten in einem
Schreiben an Mathes, die Figur wieder vor dem Rathaus aufzustellen.
Am Freitag ließ Mathes das Werk
des Abensberger Künstlers Klaus Schwendner (er wusste nicht davon)
von Bauhofkräften vor dem Rathaus entfernen. Erst am Montag hatten
diese die fast vier Meter große Holzfigur (im Adamskostüm
und mit rotem Kopf) aufgestellt. Das Konzept war dem Bürgermeister
öffentlich bereits vor Monaten vorgestellt worden. Der riesige
Mann sei als Protestfigur konzipiert gewesen, so Margareta Schneider,
Vorsitzende des Stadtmarketingvereins. Damals bei der Vorstellung "kam
kein Protest". Margareta Schneider zur nunmehrigen Entscheidung des
Bürgermeisters: "Die Hau-Ruck-Aktion" ist schade. Man kann einen
Künstler so nicht vor den Kopf stoßen."
Amtierendem "Vize" Raimund Fries zufolge
hatte der urlaubende Mathes den Abtransport damti begründet, dass
die Figur gegen ... die Öffnung des Kelheimer Stadtplatzes
protestieren solle.
Am Wochenende wurde über den
Bürgermeister-Entschluss heftig debattiert - und überall
wurde daran Kritik geübt. Gegenüber der MZ verurteilte Walter
Siller (SPD) den Abtransport, CSU-Vorsitzender Toni Sorcan sprach von
einer "einsamen Entscheidung des Bürgermeisters, die ich nicht
gemacht hätte."
Als Erster verschaffte Gernot Merker am
Samstag vor dem Rathaus seinem Unmut Luft. Der Kelheimer hatte sich ein
Schild mit dem Wort "Leise" umgehängt. "Ich bin richtig
empört", sagte er zur Aktion des Bürgermeisters. Heftig wurde
vor dem Rathaus diskutiert. "Ich finde das Verhalten absolut
unkorrekt", so Dr. Ottmar Traut. Bärbel Stein: "Es ist ein
Unding." Grünen-Stadträtin Christiane Lettow-Berger ("diese
Zensur ist ein Skandal und gleichzeitig eine Provinzposse") stellte
gestern ein Ersatz-Protestwerk mit sieben Gartenzwergen beim Rathaus
auf - eine "Hommage an die Kulturzwerge Kelheims". Der Vorsitzende der
Gruppe Kunst, Horst Fochler, kündigte eine Protestaktion an.
Mittelbayersiche
Zeitung, 07.10.2002
Bürgermeister
will ohne "Protestmensch" heiraten
Kelheimer Stadtoberhaupt lässt
einen Tag vor seiner Hochzeit umstrittene Skulptur vor dem Rathaus
entfernen
Es war eine seiner letzten Amtshandlungen, bevor er vor den
Traualtar trat: Der "Protestmensch mit rotem Kopf" muss weg. Also
ließ Kelheims Bürgermeister Fritz Mathes (Freie Wähler)
am Freitag die Skulptur vor dem Rathaus entfernen. Tags darauf wollte
der Bürgermeister Hochzeit feiern. Die verschwundene Skulptur
erregt jetzt die Gemüter. Denn Mathes hat Künslter, Stadtrat
und Organisatoren der Kelheimer Kulturtage nicht informiert. Hat der
Bürgermeister im Protestmenschen einen Afront gegen die
Stadtpolitik gesehen?, wird spekuliert. Oder wollte er sich seine
eigene Hochzeit nicht durch dessen Anblick trüben lassen?
Zwölf Tage vor Beginn der
Kulturtage wird in Kelheim öffentlich über Kunst diskutiert.
Insofern gewinnt Horst Fochler als Organisator der Kulturtage dem
Verschwinden der Skulptur sogar Positives ab. Aber er sieht auch, dass
sich der Bürgermeister mit seinem eigenmächtigen Handeln "im
Grunde eine starkes Stück" geleistet hat. Die Stadt ist
Träger der Kulturtage. Und Fochler hofft, dass diese "keinen
Schaden" nähmen. Denn der Handstreich des Bürgermeister
könnte jenen Auftrieb geben ,die mit der Ästhetik der
Arbeiten nichts anfangen könnten.
Dabei hat der Bürgermeister
gewusst, was vor dem Rathaus aufgestellt werden würde. Er sah im
Juni ein Modell der Figur, die der Abensberger Bildhauer Klaus
Schwendner mit einer Motorsäge aus einem Baumstamm herausarbeiten
wollte. Und er kannte dessen Absicht, mit dem Zwei-Tonnen-Koloss eines
schreienden Menschen mit rotem Kopf gegen die Übermacht
ökonomischer Prinzipien protestieren zu wollen. Zunächst nahm
daran niemand Anstoß. Doch das änderte sich, als vergangenen
Mittwoch in einem Anzeigenblatt ein Interview des Künstlers
erschien. Schwendner hatte für seine Skulptur bewusst den
Stadtplatz vor dem Rathaus als Standort gewählt, um damit auch
gegen die dort verfügte probeweise Öffnung der
Fußgängerzone für den Verkehr zu protestieren.
Mathes sieht sich dadurch
getäuscht, sein Stellvertreter Raimund Fries (CSU) verteidigte die
Entfernung der Skulptur. "Ich schließe mich der Interpretation
des Bürgermeisters an, dass es in gewisser Weise eine Provokation
ist", sagte er. Der jahrelange Streit um den Stadtplatz flammt damit
wieder auf. CSU und Freie Wähler hatten erst nach den
Kommunalwahlen mit ihrer neuen Mehrheit eine Öffnung verfügt.
SPD-Fraktionssprecher Josef Kolb hat eher eine parteipolitische
Erklärung für den Groll des Bürgermeisters. Der rote
Kopf der Skulptur habe ihn wohl an die SPD erinnert.
von
Bernhard Lohr, Süddeutsche Zeitung, 07.10.2002
Nach
Rücksprach "ja" zum Rückzug
Künstler blieben hart und
setzten sich durch
Die vorübergehende Verbannung des "Protest-Menschen"
von Klaus Schwendner bewegt Kommunalpolitiker, Kunstschaffende und die
Öffentlichkeit. Die Entscheidung von Bürgermeister Fritz
Mathes, das hölzerne Kunstwerk ins Bauhof-Exil zu stecken, sorgte
für überregionales Medieninteresse - und ebenso das
überraschende Einlenken gestern Abend.
Obwohl im Urlaub, hatte Mathes am
Freitag eine Entfernung des Schwendner-Werkes durch den Bauhof
verfügt, was für heftige Reaktionen bei Politikern wie
Passanten gleichermaßen sorgte.
Nachdem der Protest gestern immer
stärker wurde, startete Vize-Bürgermneister Raimund Fries
umfangreiche Aktivitäten. Er traf sich am Nachmittag mit dem
Künstler Klaus Schwendner, dem Mitinitiator der Kulturtage, Horst
Fochler, sowie der Stadtmarketingvereins-Vorsitzenden Margaretha
Schneider.
Fochler überbrachte die Botschaft
der Künslter: Falls das Schwendner-Werk verbannt bleibe, werde man
alle Skulpturen abbauen - die "Stadt - Art" wäre somit gestorben.
Mit dieser Absicht konfrontiert, schloss sich Raimund Fries mit dem
Chef kurz. Zunächst plädierten die beiden Stadtoberen dann
dafür, den "Protest-Menschen" wieder aufzustellen, allerdings
("als Kompromiss") gegenüber dem Rathaus, 40 Meter vom alten
Standort entfernt.
Davon wiederum hielt die Abordnung der
Kunstschaffenden nur wenig, so dass Fries letztendlich - nach erneuter
Rücksprache mit dem Bürgermeister - das "Ja" zum
Rückholen des Schwendner-Objektes aussprach.
Mittelbayersiche Zeitung, 08.10.2002
Es
läuft was schief
Gewiss - ein Berufswechsel ist selten leicht. Deshalb haben
die Kelheimerinnen und Kelheimer über anfängliche Probleme
des neuen Bürgermeisters Fritz Mathes auch milde hinweggesehen.
Schonfrist wurde ihm auch von den Parteien gewährt.
Doch mit seinem im Alleingang
beschlossenen Abtransport des "Protest-Menschen" hat sich der
Bürgermeister selbst ins Abseits gestellt. Deshalb hagelt es auf
ihn Kritik von (fast) allen Seiten. Der einzige, der sich "voll und
ganz" hinter die Mathes-Entscheidung stellte, war
Vize-Bürgermeister Raimund Fries. Doch auch er tat sich damit
keinen Gefallen: Er wird der Öffentlichkeit erklären
müssen, wie er die Verbannungs-Aktion in Einklang bringt mit
seinem Erziehungsauftrag als stellvertretender Schulleiter zur Toleranz
und Liberalität.
Und der Amtsinhaber selbst? Mathes zog
es bis gestern Abend vor, zu schweigen. Der von Raimund Fries
verkündete Rückzieher rettet zwar in letzter Sekunde die
Kulturtage, den angerichteten Schaden macht er aber nicht wieder gut.
Kelheim wurde von keinem Geringeren als dem Rathaus-Chef in ein denkbar
schlechtes Licht gerückt. Toleranz scheint nicht seine Stärke
zu sein.
ein Kommentar von Walter Schießl, Mittelbayerische
Zeitungn, 08.10.2002
Stimmen
anderer:
CSU-Vorsitzender Toni Sorcan:
"...das war eine einsame Entscheidung,
die ich nicht getroffen hätte: Die Freiheit der Kunst muss
gewährleistet sein..."
SPD-Fraktionschef Walter Siller:
"...Bürgermeister Fritz Mathes hat
den Stadtratsbeschluss für die Kulturtage aufs Gröbste
missachtet. Er soll sich selbst überlegen, wie er aus der
Geschichte wieder herauskommt. Es ist schade, dass er Toleranz
vermissen lässt..."
Grünen-Stadträtin Christiane
Lettow-Berger:
"...für mich ist es ein klarer Fall
von Zensur. Da kann man nur sagen, wehret den Anfängen. Als
Stadträtin bin ich geschockt..."
Stellvertretende
Stadtratsfraktionssprecherin der Freien Wähler (FW), Marianne
Duschl:
"...Ich hätte vielleicht so
reagiert, dass ich den Schreihals stehen gelassen und nicht beachtet
hätte. Mich hat er nicht gestört und nicht aufgeregt...Wenn
Bürgermeister Mathes so entschieden hat, dann hat er so
entschieden..."
aus der Mittelbayerischen Zeitung, 08.10.2002
Leserbriefe
(Auszüge):
"...Herr Mathes zeigt durch die im Alleingang
durchgeführte Entfernung des "Protest-Menschen" von Klaus
Schwendner, dass ihm als Bürgermeister die Kelheimer Kulturtage
nicht wichtig sind, dass er keinerlei Kunstinteresse sowie
Kunstverständnis hat, dass er Demokratie und Meinungsfreiheit mit
Füßen tritt und dass er auch noch feig ist, wenn er eine
solche Aktion schnell vor seinem Urlaub durchführt und
anschließend unerreichbar ist...."
"...Artikel 2 Absatz 1 des Grundgesetzes: "Jeder hat das
Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er
nicht die Rechte anderer verletzt." Die Kunst ist ein Mittel, sich
persönlich zu entfalten, ohne jemand anderen einzuschränken.
Durch die Verbannung des Kunstwerkes wird dem Künstler, aber auch
dem Betrachter dieses Recht genommen. Man wird entmündigt und
"unschädlich" gemacht. Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes:
"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu
äußern und zu verbreiten." Wie ich hier in diesem Brief
meine persönliche Einstellung öffentlich in Schrift kundtue,
Herr Mathes und sein Stadtrat sie in etwaigen Sitzungen und
Beschlüssen in Wort äußert, so darf doch wohl auch Herr
Schwendner diese, seine persönliche und daher auch sicherlich
nicht mit Jedermann übereinstimmende Meinung durch Bilder und
Skulpturen darstellen und sie öffentlich machen. Im Übrigen
heißt die Skulptur "Protest-Mensch" und nicht "Bin gegen
Erweiterung des Gillamoos-Festplatzes und gegen die Öffnung des
Ludwigsplatzes-Mensch". Dieser Titel lässt also durchaus die
Möglichkeit zur freien Interpretation und somit kann "Protest"
auch für jeden Besucher etwas anderes bedeuten. Was sie
letztendlich für seinen Schaffer bedeutet, bleibt immer noch ihm
selbst überlassen und da helfen sicherlich solche bedenkenswerten
Sanktionen nichts. Ich jedenfalls bin nicht bereit, die Kelheimer
Kulturtage zu besuchen, wenn dort nur Kunst ausgestellt wird, die dem
lieben Bürgermeister gefällt und in den Kram passt.
Hoffentlich muss ich jetzt nicht auch in den Bauhof..."
":..Der Protest - auch der symbolische des Künstlers -
gegen einen Stadtratsbeschluss zum Stadtplatz ist demokratisch absolut
legitim, mag es den "Herrschenden" nun passen oder nicht. Die
Verbannung des Kunstwerkes Protest-Mensch - ob "schön" oder nicht
ist unerheblich - ist schlichtweg ein Skandal. Es zeugt von wenig
Gelassenheit unserer Stadtoberen gegenüber demokratisch erlaubter
Kritik. "Kunst regt an, Kunst regt auf" (Zitat Herr Freis). Wie aber
soll sie das tun, wenn sie einfach weggeschlossen wird?..."
aus der Mittelbayerischen Zeitung, 08.10.2002
"Protest-Mensch"
siegt in Kelheim
Der Aufschrei war groß an der Donau. Ein
Bürgermeister, der eine ihm missliebige Skulptur kurzerhand in den
Bauhof verbannt - das riecht nach Zensur. Die Skulptur "Protest-Mensch"
von Klaus Schwdndner (35) stand bis Freitag vor dem Kelheimer Rathaus,
dann ließ sie Bürgermeister Fritz Mathes (Freie Wähler)
entfernen. Er hatte eine Bemerkung des Künstlers so gewertet, dass
der 3,80 Meter hohe "Protest-Mensch" eine Stadtrats-Entscheidung
angreife.
Doch Schwendner beteuerte, dass der
Protest seiner 1,5 Tonnen schweren Skulptur allgemeiner gemeint ist. Am
Montag kam es zur Aussprache mit dem zweiten Bürgermeister Raimund
Fries (CSU). Ergebnis: Die Skulptur kommt zurück an ihren alten
Platz. "Hätte Mathes gleich mit mir gesprochen, wäre es nie
soweit gekommen", sagt Schwendner gegenüber der Abendzeitung.
Über dem Skulptur-Skandal sind die
Kulturtage fast in Vergessenheit geraten. Die beginnen am 16. Oktober
und bieten nicht nur Schwendners Skandal-Arbeit. Die anderern
Kuklturtage-Künstler hatten übrigens mit ihrer
Boykott-Drohung ihren Teil zum Stimmungswandel im Rathaus beigetragen.
Abendzeitung, München, 09.10.2002
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