artmove.de 

Künstler
Ausstellungen Bilder
Skulpturen
Projekte
Kontakt
  home


SKULPTUREN
---------------------




Gespachtelte
| 2012

Wartende
| 2010

Tragische Figuren
|
2010

Bergsteiger
|
2010
gelb Protestmensch
|
2002

Multis
| 2001

Stammhalter
| 2001

Flieger
| 2001

Holzköpfe
| 2001

kopflos
| 1998

white box |
1998

Bildstörung
| 1996


Protestmensch
Skulpturenpark
Kelheim 2002




ca.  90 x 380 cm
Pappel-Stamm, Farbe
















Immer weniger wird etwas in den Fluss - in Bewegung - gebracht, das den Menschen als Menschen erfüllt. Vor allem technische und ökonomische Prinzipien aber auch Geltungsbedürfniss und finanzielle Interessen überwiegen. 
Mit blutrotem, zum Zerplatzen anmutendem Kopf schreit meine Skulptur um auf sich, auf den Menschen, aufmerksam zu machen.
Sie soll den Menschen dazu anregen, gegen die leistungsorientiere Bewegung zu protestieren und sich für eine ganzheitliche Sicht der Bewegung einzusetzten, bei der Mensch, Natur und Technik in Harmonie gesehen werden.
Und sie soll Warnung an alle die sein, die etwas in den Fluss - in Bewegung - bringen.


Bürgermeister zensiert "Protest-Mensch"
Infos und Hintergründe zur Aktion des Kelheimer Bürgermeisters (FW) Fritz Mathes, der meine Skulptur eigenmächtig von der Ausstellung entfernen lies: 

30.09.2002
Meine Skulptur "Protest-Mensch" wird vor dem Rathaus aufgebaut (vgl. Fotos).

04.10.2002
Ohne mich, das Organisationsteam und den Stadtrat zu informieren lässt Bürgermeister Mathes (FW) die Skulptur entfernen.
Auslöser war ein Bericht im Wochenblatt vom 02.10.2002, in dem ich zitiert werde: "...mit der Skulptur will Schwendner seinen Protest gegen rein finanzielle und wirtschaftliche Interessen aufzeigen, wie etwa die Straße vor dem Rathaus, die wieder für den Verkehr freigemacht wurde...".
Bürgermeister Mathes rechtfertige die Entfernung der Skulptur damit, dass "...Schwendner mit seiner Skulptur gegen einen Stadtratsbeschluss protestiert, das ist nicht hinnehmbar...". Von meiner Seite noch von Seiten der Presse war jedoch nie die Rede davon, dass die Skulptur eigens als Protest für die Öffnung der Fußgängerzone geschaffen wurde.

05.10.2002
Bürger Kelheims protestieren öffentlich gegen die "Zensur" meiner Skulptur (vgl. Zeitungsberichte weiter unten)

07.10.2002
Die Stadt Kelheim hat zu einem Schlichtungsgespräch geladen. Teilnehmer waren: Frau Margaretha Schneider (Stadtmarketingvorsitzende), Herr Horst Fochler (Organisation Skulpturenpark), Hr. Fries (2. Bürgermeister, CSU) und ich.
Es wurde das Missverständnis ausgeräumt, dass die Skulptur zum Protest gegen die Öffnung des Ludwigsplatzes geschaffen wurde. Ich erklärte, dass die Skulptur generell gegen Entscheidungen protestiert, die rein aus finanziellen oder wirtschaftlichen Interessen gefällt werden und nicht aus Gründen, die den Menschen als Menschen erfüllen. Ein Beispiel für solche Entscheidungen, die tagtäglich zu hunderten nicht in diesem Sinne gefällt werden, ist sicherlich auch die Öffnung der Fußgängerzone für den Verkehr. Jedoch wurde die Skulptur nicht dazu geschaffen, um nur gegen diesen Stadtratsbeschluss zu protestieren.
Nachdem dieses Falschinterpretation eines Zeitungsberichtes ausgeräumt war, wurde von 2. Bürgermeister Herrn Fries erklärt, die Figur kann wieder aufgestellt werden. Es war ein zweiter Alternativstandort in der Diskussion, jedoch entschied sich Herr Fries - nach telef. Rücksprache mit 1. Bürgermeister Hr. Mathes -  die Skulptur wieder an der selben Stelle aufzustellen als zuvor.

08.10.2002
Die Skulptur wurde wieder aufgestellt und steht seit 08.10.2002, ca. 10 Uhr wieder auf dem bisherigen Standort vor dem Rathaus!

21.12.2002
Die Skulptur wird wieder abgebaut, da sie angeblich den anstehenden Weihnachtsmarkt behindert!
(Anmerkung: Das Jahr zuvor war an der gleichen Stelle eine andere Skulptur, die offenbar den Weihnachtsmarkt nicht störte.)
 

Presseartikel:

Blitz-Verbannung für "Protest-Mensch"
Skulptur darf nur noch im Bauhof protestieren: Mathes ordnet Abtransport an

Ein "Protest-Mensch" ist es, doch sein Protest verhallt im Kelheimer Bauhof. Dorthin ist nämlich die gleichnamige Holzfigur des Abensberger Künstlers Klaus Schwendner in einer "Hau-Ruck-Aktion" transportiert worden: Sie erregte den Ärger von Bürgermeister Fritz Mathes. 
Der Künstler war so ziemlich der Letzte, der vom Abtransport seiner 3,8 Meter hohne Pappelstamm-Statue erfahren hat. Die Vorsitzende des Stadtmarketing-Vereins, Margaretha Schneider, bekam gestern Morgen einen Anruf von Bürgermeister Fritz Mathes: Die Figur sei auf seine Anordnung  "entfernt" und in den Bauhof gebracht worden...Mathes selbst is seit gestern in Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Seinem amtierenden Stellvertreter Raimund Fries (CSU) begründete er den Abtransport mit Verweis auf einen Pressebericht. Demnach protestiert die Figur ... gegen die Öffnung des Ludwigsplatzes..."Schwendner kritisiere mit seinem Werk einen Stadtratsbeschluss, das sei nicht hinnehmbar."
"Ein Unding", kommentiert Klaus Schwendner kopfschüttelnd. Die Blitz-Verbannung ist ihm völlig unverständlich: "Beim Pressetermin im Sudhaus mit Bürgermeister und Presse hatte ich ein Modell dabei und die Figur erklärt" erinnert Schwendner: Ein genereller Protest gegen Entscheidungen in der Politik, die oft zu Gunsten von Geld und Kommerz, zu Ungunsten des Menschen getroffen werden....

Mittelbayerische Zeitung, 05.10.2002


Kelheimer über Mathes empört
Protest-Aktionen nach Entfernung eines Kunstwerkes/ "Ein Skandal"

Protest gab's am Wochenende von allen Seiten gegen die Verbannung der Skulptur "Protest-Mensch" vom Stadtplatz durch Bürgermeister Fritz Mathes. Stadträte verschiedener Fraktionen verurteilten die Aktion. Die Grünen forderten in einem Schreiben an Mathes, die Figur wieder vor dem Rathaus aufzustellen.
Am Freitag ließ Mathes das Werk des Abensberger Künstlers Klaus Schwendner (er wusste nicht davon) von Bauhofkräften vor dem Rathaus entfernen. Erst am Montag hatten diese die fast vier Meter große Holzfigur (im Adamskostüm und mit rotem Kopf) aufgestellt. Das Konzept war dem Bürgermeister öffentlich bereits vor Monaten vorgestellt worden. Der riesige Mann sei als Protestfigur konzipiert gewesen, so Margareta Schneider, Vorsitzende des Stadtmarketingvereins. Damals bei der Vorstellung "kam kein Protest". Margareta Schneider zur nunmehrigen Entscheidung des Bürgermeisters: "Die Hau-Ruck-Aktion" ist schade. Man kann einen Künstler so nicht vor den Kopf stoßen."
Amtierendem "Vize" Raimund Fries zufolge hatte der urlaubende Mathes den Abtransport damti begründet, dass die Figur gegen ... die Öffnung des Kelheimer Stadtplatzes protestieren solle.
Am Wochenende wurde über den Bürgermeister-Entschluss heftig debattiert - und überall wurde daran Kritik geübt. Gegenüber der MZ verurteilte Walter Siller (SPD) den Abtransport, CSU-Vorsitzender Toni Sorcan sprach von einer "einsamen Entscheidung des Bürgermeisters, die ich nicht gemacht hätte."
Als Erster verschaffte Gernot Merker am Samstag vor dem Rathaus seinem Unmut Luft. Der Kelheimer hatte sich ein Schild mit dem Wort "Leise" umgehängt. "Ich bin richtig empört", sagte er zur Aktion des Bürgermeisters. Heftig wurde vor dem Rathaus diskutiert. "Ich finde das Verhalten absolut unkorrekt", so Dr. Ottmar Traut. Bärbel Stein: "Es ist ein Unding." Grünen-Stadträtin Christiane Lettow-Berger ("diese Zensur ist ein Skandal und gleichzeitig eine Provinzposse") stellte gestern ein Ersatz-Protestwerk mit sieben Gartenzwergen beim Rathaus auf - eine "Hommage an die Kulturzwerge Kelheims". Der Vorsitzende der Gruppe Kunst, Horst Fochler, kündigte eine Protestaktion an.

Mittelbayersiche Zeitung, 07.10.2002


Bürgermeister will ohne "Protestmensch" heiraten
Kelheimer Stadtoberhaupt lässt einen Tag vor seiner Hochzeit umstrittene Skulptur vor dem Rathaus entfernen

Es war eine seiner letzten Amtshandlungen, bevor er vor den Traualtar trat: Der "Protestmensch mit rotem Kopf" muss weg. Also ließ Kelheims Bürgermeister Fritz Mathes (Freie Wähler) am Freitag die Skulptur vor dem Rathaus entfernen. Tags darauf wollte der Bürgermeister Hochzeit feiern. Die verschwundene Skulptur erregt jetzt die Gemüter. Denn Mathes hat Künslter, Stadtrat und Organisatoren der Kelheimer Kulturtage nicht informiert. Hat der Bürgermeister im Protestmenschen einen Afront gegen die Stadtpolitik gesehen?, wird spekuliert. Oder wollte er sich seine eigene Hochzeit nicht durch dessen Anblick trüben lassen?
Zwölf Tage vor Beginn der Kulturtage wird in Kelheim öffentlich über Kunst diskutiert. Insofern gewinnt Horst Fochler als Organisator der Kulturtage dem Verschwinden der Skulptur sogar Positives ab. Aber er sieht auch, dass sich der Bürgermeister mit seinem eigenmächtigen Handeln "im Grunde eine starkes Stück" geleistet hat. Die Stadt ist Träger der Kulturtage. Und Fochler hofft, dass diese "keinen Schaden" nähmen. Denn der Handstreich des Bürgermeister könnte jenen Auftrieb geben ,die mit der Ästhetik der Arbeiten nichts anfangen könnten.
Dabei hat der Bürgermeister gewusst, was vor dem Rathaus aufgestellt werden würde. Er sah im Juni ein Modell der Figur, die der Abensberger Bildhauer Klaus Schwendner mit einer Motorsäge aus einem Baumstamm herausarbeiten wollte. Und er kannte dessen Absicht, mit dem Zwei-Tonnen-Koloss eines schreienden Menschen mit rotem Kopf gegen die Übermacht ökonomischer Prinzipien protestieren zu wollen. Zunächst nahm daran niemand Anstoß. Doch das änderte sich, als vergangenen Mittwoch in einem Anzeigenblatt ein Interview des Künstlers erschien. Schwendner hatte für seine Skulptur bewusst den Stadtplatz vor dem Rathaus als Standort gewählt, um damit auch gegen die dort verfügte probeweise Öffnung der Fußgängerzone für den Verkehr zu protestieren.
Mathes sieht sich dadurch getäuscht, sein Stellvertreter Raimund Fries (CSU) verteidigte die Entfernung der Skulptur. "Ich schließe mich der Interpretation des Bürgermeisters an, dass es in gewisser Weise eine Provokation ist", sagte er. Der jahrelange Streit um den Stadtplatz flammt damit wieder auf. CSU und Freie Wähler hatten erst nach den Kommunalwahlen mit ihrer neuen Mehrheit eine Öffnung verfügt. SPD-Fraktionssprecher Josef Kolb hat eher eine parteipolitische Erklärung für den Groll des Bürgermeisters. Der rote Kopf der Skulptur habe ihn wohl an die SPD erinnert.

von Bernhard Lohr, Süddeutsche Zeitung, 07.10.2002


Nach Rücksprach "ja" zum Rückzug
Künstler blieben hart und setzten sich durch

Die vorübergehende Verbannung des "Protest-Menschen" von Klaus Schwendner bewegt Kommunalpolitiker, Kunstschaffende und die Öffentlichkeit. Die Entscheidung von Bürgermeister Fritz Mathes, das hölzerne Kunstwerk ins Bauhof-Exil zu stecken, sorgte für überregionales Medieninteresse - und ebenso das überraschende Einlenken gestern Abend.
Obwohl im Urlaub, hatte Mathes am Freitag eine Entfernung des Schwendner-Werkes durch den Bauhof verfügt, was für heftige Reaktionen bei Politikern wie Passanten gleichermaßen sorgte.
Nachdem der Protest gestern immer stärker wurde, startete Vize-Bürgermneister Raimund Fries umfangreiche Aktivitäten. Er traf sich am Nachmittag mit dem Künstler Klaus Schwendner, dem Mitinitiator der Kulturtage, Horst Fochler, sowie der Stadtmarketingvereins-Vorsitzenden Margaretha Schneider.
Fochler überbrachte die Botschaft der Künslter: Falls das Schwendner-Werk verbannt bleibe, werde man alle Skulpturen abbauen - die "Stadt - Art" wäre somit gestorben. Mit dieser Absicht konfrontiert, schloss sich Raimund Fries mit dem Chef kurz. Zunächst plädierten die beiden Stadtoberen dann dafür, den "Protest-Menschen" wieder aufzustellen, allerdings ("als Kompromiss") gegenüber dem Rathaus, 40 Meter vom alten Standort entfernt.
Davon wiederum hielt die Abordnung der Kunstschaffenden nur wenig, so dass Fries letztendlich - nach erneuter Rücksprache mit dem Bürgermeister - das "Ja" zum Rückholen des Schwendner-Objektes aussprach.

Mittelbayersiche Zeitung, 08.10.2002


Es läuft was schief

Gewiss - ein Berufswechsel ist selten leicht. Deshalb haben die Kelheimerinnen und Kelheimer über anfängliche Probleme des neuen Bürgermeisters Fritz Mathes auch milde hinweggesehen. Schonfrist wurde ihm auch von den Parteien gewährt.
Doch mit seinem im Alleingang beschlossenen Abtransport des "Protest-Menschen" hat sich der Bürgermeister selbst ins Abseits gestellt. Deshalb hagelt es auf ihn Kritik von (fast) allen Seiten. Der einzige, der sich "voll und ganz" hinter die Mathes-Entscheidung stellte, war Vize-Bürgermeister Raimund Fries. Doch auch er tat sich damit keinen Gefallen: Er wird der Öffentlichkeit erklären müssen, wie er die Verbannungs-Aktion in Einklang bringt mit seinem Erziehungsauftrag als stellvertretender Schulleiter zur Toleranz und Liberalität.
Und der Amtsinhaber selbst? Mathes zog es bis gestern Abend vor, zu schweigen. Der von Raimund Fries verkündete Rückzieher rettet zwar in letzter Sekunde die Kulturtage, den angerichteten Schaden macht er aber nicht wieder gut. Kelheim wurde von keinem Geringeren als dem Rathaus-Chef in ein denkbar schlechtes Licht gerückt. Toleranz scheint nicht seine Stärke zu sein.

ein Kommentar von Walter Schießl, Mittelbayerische Zeitungn, 08.10.2002


Stimmen anderer:

CSU-Vorsitzender Toni Sorcan:
"...das war eine einsame Entscheidung, die ich nicht getroffen hätte: Die Freiheit der Kunst muss gewährleistet sein..." 
SPD-Fraktionschef Walter Siller:
"...Bürgermeister Fritz Mathes hat den Stadtratsbeschluss für die Kulturtage aufs Gröbste missachtet. Er soll sich selbst überlegen, wie er aus der Geschichte wieder herauskommt. Es ist schade, dass er Toleranz vermissen lässt..." 
Grünen-Stadträtin Christiane Lettow-Berger:
"...für mich ist es ein klarer Fall von Zensur. Da kann man nur sagen, wehret den Anfängen. Als Stadträtin bin ich geschockt..." 
Stellvertretende Stadtratsfraktionssprecherin der Freien Wähler (FW), Marianne Duschl:
"...Ich hätte vielleicht so reagiert, dass ich den Schreihals stehen gelassen und nicht beachtet hätte. Mich hat er nicht gestört und nicht aufgeregt...Wenn Bürgermeister Mathes so entschieden hat, dann hat er so entschieden..."

aus der Mittelbayerischen Zeitung, 08.10.2002


Leserbriefe (Auszüge):

"...Herr Mathes zeigt durch die im Alleingang durchgeführte Entfernung des "Protest-Menschen" von Klaus Schwendner, dass ihm als Bürgermeister die Kelheimer Kulturtage nicht wichtig sind, dass er keinerlei Kunstinteresse sowie Kunstverständnis hat, dass er Demokratie und Meinungsfreiheit mit Füßen tritt und dass er auch noch feig ist, wenn er eine solche Aktion schnell vor seinem Urlaub durchführt und anschließend unerreichbar ist...."

"...Artikel 2 Absatz 1 des Grundgesetzes: "Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt." Die Kunst ist ein Mittel, sich persönlich zu entfalten, ohne jemand anderen einzuschränken. Durch die Verbannung des Kunstwerkes wird dem Künstler, aber auch dem Betrachter dieses Recht genommen. Man wird entmündigt und "unschädlich" gemacht. Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes: "Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten." Wie ich hier in diesem Brief meine persönliche Einstellung öffentlich in Schrift kundtue, Herr Mathes und sein Stadtrat sie in etwaigen Sitzungen und Beschlüssen in Wort äußert, so darf doch wohl auch Herr Schwendner diese, seine persönliche und daher auch sicherlich nicht mit Jedermann übereinstimmende Meinung durch Bilder und Skulpturen darstellen und sie öffentlich machen. Im Übrigen heißt die Skulptur "Protest-Mensch" und nicht "Bin gegen Erweiterung des Gillamoos-Festplatzes und gegen die Öffnung des Ludwigsplatzes-Mensch". Dieser Titel lässt also durchaus die Möglichkeit zur freien Interpretation und somit kann "Protest" auch für jeden Besucher etwas anderes bedeuten. Was sie letztendlich für seinen Schaffer bedeutet, bleibt immer noch ihm selbst überlassen und da helfen sicherlich solche bedenkenswerten Sanktionen nichts. Ich jedenfalls bin nicht bereit, die Kelheimer Kulturtage zu besuchen, wenn dort nur Kunst ausgestellt wird, die dem lieben Bürgermeister gefällt und in den Kram passt. Hoffentlich muss ich jetzt nicht auch in den Bauhof..."

":..Der Protest - auch der symbolische des Künstlers - gegen einen Stadtratsbeschluss zum Stadtplatz ist demokratisch absolut legitim, mag es den "Herrschenden" nun passen oder nicht. Die Verbannung des Kunstwerkes Protest-Mensch - ob "schön" oder nicht ist unerheblich - ist schlichtweg ein Skandal. Es zeugt von wenig Gelassenheit unserer Stadtoberen gegenüber demokratisch erlaubter Kritik. "Kunst regt an, Kunst regt auf" (Zitat Herr Freis). Wie aber soll sie das tun, wenn sie einfach weggeschlossen wird?..."

aus der Mittelbayerischen Zeitung, 08.10.2002


"Protest-Mensch" siegt in Kelheim

Der Aufschrei war groß an der Donau. Ein Bürgermeister, der eine ihm missliebige Skulptur kurzerhand in den Bauhof verbannt - das riecht nach Zensur. Die Skulptur "Protest-Mensch" von Klaus Schwdndner (35) stand bis Freitag vor dem Kelheimer Rathaus, dann ließ sie Bürgermeister Fritz Mathes (Freie Wähler) entfernen. Er hatte eine Bemerkung des Künstlers so gewertet, dass der 3,80 Meter hohe "Protest-Mensch" eine Stadtrats-Entscheidung angreife.
Doch Schwendner beteuerte, dass der Protest seiner 1,5 Tonnen schweren Skulptur allgemeiner gemeint ist. Am Montag kam es zur Aussprache mit dem zweiten Bürgermeister Raimund Fries (CSU). Ergebnis: Die Skulptur kommt zurück an ihren alten Platz. "Hätte Mathes gleich mit mir gesprochen, wäre es nie soweit gekommen", sagt Schwendner gegenüber der Abendzeitung.
Über dem Skulptur-Skandal sind die Kulturtage fast in Vergessenheit geraten. Die beginnen am 16. Oktober und bieten nicht nur Schwendners Skandal-Arbeit. Die anderern Kuklturtage-Künstler hatten übrigens mit ihrer Boykott-Drohung ihren Teil zum Stimmungswandel im Rathaus beigetragen.

Abendzeitung, München, 09.10.2002